Fremde Welt
Eine Kurzgeschichte

Fremde Welt

Die Landschaft lag als verdorrte steinige Wüste vor ihnen. In der Ferne konnten sie Berge erkennen; schroffe Massive mit zackigen Graden. Kein Schnee bedeckte die Gipfel. Überall herrschte sengende Hitze. Die Ebene, auf der das Landefahrzeug stand, flimmerte unreal.

Der Planet, auf dem sie sich befanden, war lebensfeindlich und öde. Hochtechnologische Raumanzüge schützten sie deshalb vor den tödlichen Strahlen der großen orangefarbenen Sonne am dunkelblauen Himmel. Ihre Atemluft, die Temperatur, alles regelte der integrierte leistungsstarke Computer, der auch die Kommunikation zwischen ihnen ermöglichte.

 

Ihr elektronischer Partner surrte leise neben ihnen her, als sie sich auf den Weg in die Ebene machten. Die Fernkamera ihres Raumschiffs hatte nach der Landung etwas am Horizont entdeckt, das mit starker Kraft die Strahlen der Sonne reflektierte. Doch der Computer konnte nicht bestimmen, um was es sich handelte. Er hatte durch die starke Reflexion die Form nicht identifizieren können. Auch das Material konnte er nicht ermitteln. Es musste ein ihnen unbekanntes sein. Vielleicht von einer fremden Intelligenz künstlich erzeugt?

Das wäre doch eine Sensation, wenn sie nach hunderten oder tausenden von Jahren der Spekulationen über die Frage: Sind wir allein im All? endlich einen Beweis für die Existenz einer intelligenten fremden Lebensform finden würden.

Dies war die große Hoffnung gewesen, als sie sich vor drei Jahren auf die Reise zu dieser 300.000 Lichtjahren entfernten fremden Welt aufmachten. Damals zeigten die Raumsensoren der großen Kosmosscanner das Licht dieser Sonne in hellem Gelb und auch der Planet hatte eine seltsame Oberflächenbeschaffenheit. Doch sie sahen damals ja in die Vergangenheit; in die Zeit vor 300.000 Jahren auf diesem Planeten.

Nun sind sie innerhalb von drei Jahren in die Gegenwart gereist. Das ist schon ein seltsames Paradoxon. Doch es ist Physik, nichts weiter.

 

Plötzlich standen sie vor einem Abgrund. Es war ein Graben, der sich in einigen Windungen durch die Ebene schnitt. Sie mussten die Triebwerke ihrer Raumanzüge zünden, die sie sicher auf die andere Seite des seltsamen gigantischen Risses in der Landschaft beförderten. Der Computer ermöglichte ihnen eine sanfte Landung auf dem harten steinigen Grund.

Auch der elektronische Partner landete sanft neben ihnen und verschloss die Klappen des Antriebs wieder. Gleichzeitig schoben sich summend die drei Beine aus dem rötlichen Kunststoffgehäuse, die die Fortbewegung auf festem Grund übernahmen. Dann surrte er wieder neben seinen Begleitern her.

Inzwischen berührte die Sonne schon den Horizont. Doch es gab kein Abendrot, wie sie es von zu Hause her gewohnt waren. Das lag sicher daran, dass die Atmosphäre hier zu dünn war.

Zwei unförmige Monde gingen auf. Der Computer hatte errechnet, dass sie vor zirka 10.000 Jahren als Ergebnis einer Kollision des ehemaligen Mondes mit möglicherweise einem Kometen entstanden sind.

In der Bahnebene dieser zwei Brocken gab es noch eine Menge kleinerer Trümmer und die Landung gestaltete sich deshalb als ziemlich gefährlich. Doch das hatte sie nicht abgeschreckt. Die Verlockung des Abenteuers war einfach größer als die Furcht um das mögliche Ende der eigenen Existenz.

 

Sterne begannen am Himmel aufzublitzen. Unbekannte Sternbilder offenbarten sich ihren Blicken. Einer dieser blinkenden Nadelstiche war ihre Sonne. Nun blickten sie in die Vergangenheit ihres eigenen Sterns.

Es wurde kalt auf dieser fremden Welt, doch sie registrierten es nur an der Anzeige ihres Computers.

Sie hatten keine Hoffnung mehr, hier auf Leben zu stoßen, doch sie wollten das Geheimnis des blinkenden Gegenstandes lüften.

Endlich hatten sie die Koordinaten erreicht. Nach einigem Umsehen fanden sie etwas Seltsames. Es war innen hohl und reflektierte schwach das Licht der beiden Monde. Seine geschwungene zylindrische Form hatte ein kegelförmiges Ende, das in einer Öffnung mündete. Auf einem roten Schild standen seltsame fremde Schriftzeichen, die sie nicht verstanden. Doch sie ähnelten denen, die sie auf der goldenen Platte entdeckt hatte, die jene fremde Sonde beherbergte, welche ihnen den Weg zu dieser fremden Welt gewiesen hatte.

Auf dem Gegenstand, den die drei langen Finger seiner Hand umschlossen, standen die Zeichen COLA.

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